10.04.2014

Bilanzpressekonferenz der ALBA SE 2014 // Weichen für zukunftsweisende Struktur der ALBA SE gestellt

+ Unternehmensgruppe verzahnt Entsorgungs- und Schrottbereich und will so neuen Industriestandard schaffen + Aufwendungen für Umbau und außerordentliche Abschreibungen auf Firmenwerte und Beteiligungen belasten Ergebnis 2013 + Umsatz sinkt auf 1,7 Milliarden Euro, bereinigtes EBT auf 10,5 Mio. Euro


Köln. Der börsennotierte Umweltdienstleister und Rohstoffhändler ALBA SE hat 2013 erfolgreich die Weichen für die Reorganisation der Unternehmensgruppe gestellt. Das teilte der Verwaltungsratsvorsitzende der ALBA SE, Dr. Axel Schweitzer, anlässlich der Bilanzpressekonferenz mit. Schweitzer wörtlich: „Vor dem Hintergrund sich massiv verändernder Märkte haben wir 2013 stark in die Neuausrichtung unserer Unternehmensgruppe investiert und werden 2014 den Prozess der Reorganisation fortsetzen. Die Eckpfeiler dieser Strategie sind: eine Vernetzung des klassischen Geschäftsbereiches Entsorgung und Kunststoff-/Papier-Recycling mit dem Bereich Stahl- und Metallrecycling, damit verbunden eine weitere Portfoliooptimierung und weitergehende Internationalisierung.“ Ziel des Managements sei es, durch die breitere Aufstellung neue Kundengruppen zu erschließen, Logistik und Prozesse zu optimieren und so bessere Roherträge zu erzielen.

Das Ergebnis des Geschäftsjahres 2013:

Im vergangenen Jahr erwirtschafteten die ALBA SE und die mit ihr verbundenen Tochterunternehmen einen konsolidierten Umsatz von rund 1,7 Milliarden Euro (Vorjahresvergleichswert: 1,9 Milliarden Euro). Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) beläuft sich zum 31. Dezember 2013 auf 26,2 Mio. Euro (i. Vj.: 68,1 Mio. Euro).

Das EBT ist mit Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 12,1 Mio. Euro belastet sowie Abschreibungen auf Firmenwerte nach IFRS-Bilanzierungsvorschriften in Höhe von 34,6 Mio. Euro und Abschreibungen auf Beteiligungen in Höhe von 5,9 Mio. Euro.

Bereinigt um diese Effekte erzielte die ALBA SE im vergangen Jahr ein Ergebnis vor Steuern (EBT) von 10,5 Mio. Euro. Das bereinigte EBITDA beträgt 38,3 Mio. Euro.

Unbereinigt beläuft sich das EBT auf minus 42,1 Mio. Euro (i. Vj.: 37,8 Mio. Euro).

Schweitzer sieht dringenden Korrekturbedarf an Verpackungsverordnung

Als in Deutschland marktbeherrschendes Thema nannte Schweitzer die sich zuspitzende Situation bei den dualen Systemen. Schweitzer kritisierte, dass sich immer mehr Hersteller und Händler ihrer Verpflichtung zum ordnungsgemäßen Recycling entzögen: „Aus dieser Situation resultiert ein Wettbewerb mit teilweise marktverzerrenden Bedingungen. Mein dringender Appell an die politischen Entscheidungsträger ist, im Rahmen der siebten Novelle die Schlupflöcher in der Verpackungsverordnung endgültig zu schließen.“ Dabei gehe es um eine Abschaffung der Eigenrücknahme und striktere Regeln für die Branchenlösungen. Gleichzeitig appellierte Schweitzer daran, ein gut funktionierendes System mit hohen stofflichen Recyclingquoten nicht wegen betrügerischen Handelns Einzelner komplett in Frage zu stellen. „Weder haben wir das Problem, dass die Gelben Tonnen nicht abgeholt werden, noch haben wir ein Qualitätsproblem – es geht ausschließlich darum, dass alle Beteiligten auch wieder ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen.“

Die Mengenmeldungen für die ersten beiden Quartale 2014 zeigten, wie nötig ein schnelles Einschreiten des Gesetzgebers sei. Die lizenzierte Menge an Leichtverpackungen (LVP) betrage gemäß den Mengenmeldungen nur noch knapp 760.000 Tonnen. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2013 seien damit noch einmal 28 Prozent der LVP-Mengen abgemeldet worden. Gleichzeitig sei die Menge der Eigenrücknahme um 219 Prozent gestiegen. Auf das gesamte Jahr 2014 bezogen bedeute das bei einer über die gelben Sammelsysteme erfassten Menge von 2,4 Millionen Tonnen, dass nur noch für ein Drittel des Recyclings bezahlt werde.

Internationalisierung fortgesetzt

Schweitzer betonte, dass die Gruppe sich weiter international ausrichte. 2013 habe man in ein neues Tiefseeterminal in Amsterdam investiert, mit dem die ALBA SE nun weltweit Stahlschrotte, Metalle, aber auch Papier und Kunststoffe exportieren kann. Das Terminal ist gut fünf Mal größer als das bisherige Exportterminal in Dordrecht. Auf dem Gelände können 200.000 Tonnen Material gelagert und Schiffe von bis zu 50.000 Tonnen Verladekapazität abgewickelt werden.

Die Entwicklung der Segmente im Einzelnen

Weltweite Überkapazitäten der Stahlindustrie, die massive europäische Stahlkrise und der anhaltende Druck auf die Preise beeinflussten im Berichtsjahr die Sammlung und Aufbereitung von Stahlschrotten. Den Handel mit Nichteisenmetallen prägte eine schwache Nachfrage mit niedrigeren Preisen als im Vorjahr. Die Beschaffungsseite war geprägt von Materialknappheit, was zu einem Druck auf die Margen führte.

Vor diesem Hintergrund sank der Umsatz im Segment Stahl- und Metallrecycling von 1,6 Milliarden Euro im Jahr 2012 auf rund 1,4 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2013. Das EBITDA ging von 32,9 Mio. Euro 2012 auf minus 0,5 Mio. Euro zurück. Ursache hierfür waren im Wesentlichen die infolge der Materialknappheit gestiegenen Einkaufspreise, die zusammen mit dem Preisdruck auf der Absatzseite zu geringeren Margen führten. Darüber hinaus wurde das EBITDA durch Restrukturierungseffekte belastet. Bereinigt um die Restrukturierungsaufwendungen beträgt das EBITDA 11,6 Mio. Euro. Das EBT sank von 3,2 Mio. Euro auf minus 66,7 Mio. Euro. Neben den Restrukturierungseffekten wirkten sich hier Abschreibungen auf Firmenwerte aus. Bereinigt um die Restrukturierungsaufwendungen und die Wertminderungen beträgt das EBT minus 14,1 Mio. Euro.

 

Die Konjunktur in Deutschland wurde in hohem Maße vom öffentlichen und privaten Konsum getragen. Steigerungen des privaten Konsums stand sowohl im Markt des Verkaufs- als auch des Transportverpackungsrecyclings allerdings ein intensiver Wettbewerb gegenüber. Diese Wettbewerbssituation führte zu einem Druck auf die Margen. Im Markt der Verkaufsverpackungen war das Berichtsjahr insbesondere geprägt von einer sich zuspitzenden Situation im Bereich der dualen Systeme. Zahlreiche Kunden investierten im Berichtsjahr in Maschinen wie Pressen oder Shredder und übernahmen bisherige Recyclingdienstleistungen in Eigenregie. Das führte im Recyclingmarkt in einigen Bereichen zu einem Rückgang des Dienstleistungsvolumens.

Im Segment Dienstleistung gingen die Umsatzerlöse von 330,9 Mio. Euro auf 315,0 Mio. Euro zurück. Das EBITDA beträgt 26,6 Mio. Euro (i. Vj. 35,3 Mio. Euro), das EBT 24,5 Mio. Euro (i. Vj.: 34,6 Mio. Euro).

Ausblick

Das Management erwartet im laufenden Geschäftsjahr weiterhin anspruchsvolle Rahmenbedingungen in den Märkten, in denen die ALBA SE und ihre Tochtergesellschaften tätig sind.

Für Deutschland rechnen die Experten mit einer Stagnation der Rohstahlproduktion in Höhe von 43,0 Millionen Tonnen nach 42,6 Millionen Tonnen im Jahr 2013. Diese Erwartung ist jedoch aufgrund der geplanten Beteiligung der industriellen Eigenstromversorgung an der Finanzierung der Subventionen für regenerative Energien und dem möglichen Verbot der Ausgleichsregelung der EEG-Umlage mit hohen Unsicherheiten behaftet. Weltweit prognostiziert die Wirtschaftsvereinigung Stahl ein Wachstum der Stahlproduktion von 3,5 bis 4 Prozent, vornehmlich in Asien, der Türkei und Russland.

Im deutschen Handel mit NE-Metallen wird im ersten Quartal nicht mit einer Besserung gerechnet. Ab dem zweiten Quartal sind die Experten verhalten optimistisch. Das gilt auch hinsichtlich der Prognosen für den europäischen Absatzmarkt. Im ersten Halbjahr werde dieser schwach bleiben. In Asien wird derzeit kein weiteres Wachstum erwartet. Die Nachfrage bleibe auf dem aktuellen Niveau bestehen.

2014 rechnet das Management der ALBA SE mit einer weiteren Intensivierung des Wettbewerbs im Markt des Verpackungsrecyclings im Segment Dienstleistung. Für das Segment Dienstleistung liegt der Fokus auf der weiteren Entwicklung neuer Geschäftsfelder, in neuen Märkten sowie der weiteren Internationalisierung.

„Vor diesem Hintergrund werden wir den Umbau der Gruppe fortführen, Geschäftsbereiche eng verzahnen und die Internationalisierung fortsetzen“, erklärte Schweitzer. Das gelte im Segment Stahl- und Metallrecycling nicht nur für die Absatz-, sondern auch für die Beschaffungsmärkte.