10.11.2011

INTERSEROH SE: Gute Nachfrage nach Recyclingmetallen sorgt für Umsatz- und Ergebnisanstieg


Ergebnis vor Ertragsteuern gestiegen / Marktanteil im Dualen System reduziert / Verkauf der Rohstoffaktivitäten an Holding

Der börsennotierte Umweltdienstleister und Rohstoffhändler INTERSEROH SE hat sich im laufenden Geschäftsjahr 2011 trotz eines schwierigen Marktumfeldes erfolgreich behauptet. In den ersten neun Monaten 2011 erwirtschaftete die Interseroh-Gruppe ein Ergebnis vor Steuern (EBT) von 33,0 Mio. Euro. Bereinigt um Entkonsolidierungsgewinne betrug das EBT 31,9 Mio. Euro. Damit erzielte Interseroh ein Plus von 3,6 Mio. Euro gegenüber dem um Entkonsolidierungsgewinne bereinigten Vorjahresvergleichswert von 28,3 Mio. Euro (inklusive Entkonsolidierungsgewinne: 41,9 Mio. Euro EBT).

Das Ergebnis vor Ergebnisanteilen an assoziierten Unternehmen, Zinsen und Steuern (EBIT) betrug in den ersten neun Monaten 41,6 Mio. Euro. Bereinigt um die Entkonsolidierungsgewinne lag es bei 40,5 (Vj. bereinigt 39,7 Mio. Euro). Der konsolidierte Konzernumsatz kletterte von 1.449,5 Mio. Euro in den Monaten Januar bis September 2010 auf 1.844,7 Mio. Euro in den ersten drei Quartalen 2011.

Im dritten Quartal betrug das EBIT 14,3 Mio. Euro (3. Quartal 2010: 16,5 Mio. Euro), das EBT 12,3 Mio. Euro (Vergleichswert: 12,6 Mio. Euro). Der Umsatzbeitrag belief sich auf konsolidiert 651,0 Mio. Euro (Vergleichswert: 481,8 Mio. Euro).

Während verbesserte Margen, leichte Absatzsteigerungen und Preise über dem Niveau des Vorjahresvergleichszeitraums die Entwicklung im Segment Stahl- und Metallrecycling positiv beeinflussten, bewegten sich die Geschäftsbereiche Dienstleistung und Rohstoffhandel in einem schwierigen Marktumfeld. Im Rohstoffhandel verzeichnete Interseroh geringere Arbitrageeffekte im Altpapierexport nach Asien. Im Segment Dienstleistung trennte sich Interseroh vertragsgerecht von einer großen Kundengruppe. Grund für diesen Schritt war, dass sich die Gesamtmarktsituation im dualen System – anders als zu Vertragsabschluss angenommen – durch erhebliche Verstöße gegen die Verpackungsverordnung deutlich zugespitzt hatte. Laut Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e.V. (BDE) wurden mit Stand August 2011 rund 800.000 Tonnen Leichtverpackungen, das heißt circa 40 Prozent der Gesamtmarktmenge, von der produzierenden Industrie nicht gemäß Verpackungsverordnung lizenziert, also nicht bezahlt.

Dies bedeute allerdings nicht, dass Interseroh sich aus dem dualen System zurückziehe, so Dr. Axel Schweitzer, Vorstandsvorsitzender der INTERSEROH SE. „Wir werden auch weiterhin unsere Kunden, die an einem rechtssicheren und qualitativ einwandfreien System interessiert sind, mit dem gleichen Einsatz und in gleichem Maße betreuen wie bisher.“ Dr. Schweitzer betonte die Sinnhaftigkeit des Zertifikats „zur Sicherung der Verpackungsentsorgung“ des BDE und erklärte, dass Interseroh sich weiterhin nachhaltig für eine konsequente Prüfung der Einhaltung der Verpackungsverordnung durch die Behörden einsetzen werde.

Die Gesellschaften des Segmentes Rohstoffhandel wurden zum 1. Oktober 2011 an die Holding der INTERSEROH SE, die ALBA Group plc & Co. KG, veräußert und mit dem Geschäftsbereich der ALBA zusammen geführt. Das ermöglicht in Zukunft eine optimierte Bündelung der Rohstoffaktivitäten der gesamten Gruppe sowie die Erschließung neuer Märkte für Papier und Kunststoff, etwa in West- und Südeuropa.

Sämtliche Vermögenswerte und Schulden des Segmentes Rohstoffhandel sind im Quartalsabschluss zum 30. September 2011 als „zur Veräußerung“ klassifiziert worden. Ein Ergebniseffekt auf den Quartalabschluss hat sich nicht ergeben.

Der Veräußerungspreis des Geschäftsbereichs Rohstoffhandel entspricht dem Netto-Segmentvermögen. Somit ist die Entkonsolidierung zum 1. Oktober 2011 ergebnisneutral.

Gegenüber dem Bilanzstichtag 31. Dezember 2010 hat sich das Working Capital in den Monaten Januar bis September 2011 erhöht. Ursächlich hierfür sind die gestiegenen Einkaufs- und Verkaufspreise in den Märkten für Stahl- und Nichteisenmetall-Schrotte. Folglich erhöhten sich die Bilanzsumme sowie die Nettoverschuldung im Vergleich zum 31. Dezember 2010.


Entwicklung der Segmente

Maßgeblichen Anteil am Wachstum der Interseroh-Gruppe hatte wiederum der Geschäftsbereich Stahl- und Metallrecycling: Der Segmentumsatz kletterte von 1.036,9 Mio. Euro im Vorjahresvergleichszeitraum auf 1.369,4 Mio. Euro in den Monaten Januar bis September 2011. Die fortschreitende Verzahnung der operativ tätigen Standorte führte zu einer Verbesserung der Margen und zu einer Ergebnissteigerung in diesem Segment. Der Fokus der Interseroh-Gruppe lag auf dem Ausbau von margenstärkeren Geschäften bei leicht steigenden Mengen.

Eine kontinuierlich gute Nachfrage der europäischen Industrie kennzeichnete den Absatz von Stahlschrott Anfang 2011 und ließ im Jahresverlauf deutlich nach. Die Preise für alle Schrottsorten lagen über dem Niveau des Vorjahresvergleichszeitraums.

Die Durchschnittspreise für Nichteisen-Metalle bewegten sich bis Mitte des Jahres auf hohem Niveau, waren jedoch stark volatil. Im August brachen sie aufgrund der Turbulenzen an den Börsen drastisch ein, stabilisierten sich in den ersten Septemberwochen allerdings wieder. Interseroh erzielte leichte Steigerungen der Absatzmengen sowohl in Europa als auch im asiatischen Raum.

Die INTERSEROH Scrap and Metals Holding GmbH, Dortmund, übernahm zum 1. September 2011 die Elvira Westarp GmbH, Aschaffenburg. Damit erweitert Interseroh sein Portfolio im Bereich Sammlung, Transport und Verwertung von Stahl- und Metallschrott und stärkt die Standortstruktur zwischen Rhein-Main-Gebiet und Unterfranken.

Im Segment Dienstleistung trugen alle Services zu einer positiven Entwicklung des Umsatzes bei. Der Umsatz stieg von 332,2 Mio. Euro in den ersten drei Quartalen 2010 auf 383,2 Mio. Euro in den Monaten Januar bis September 2011. Im Vergleich zu den ersten neun Monaten des Vorjahres verzeichnete das Segment ein rückläufiges Ergebnis, vornehmlich bedingt durch die Marktmengenentwicklung im Bereich der Leichtverpackungen (LVP) in der Business Unit Duales System Interseroh.

Der Umsatz im Segment Rohstoffhandel stieg von 107,7 Mio. Euro auf 127,8 Mio. Euro. Die geringeren Arbitrageeffekte im Altpapierexport nach Asien sorgten für einen leichten Ergebnisrückgang gegenüber dem um Entkonsolidierungsgewinne bereinigten Ergebnis des Vorjahresvergleichszeitraums.

Nachdem die europäischen Papierpreise von Januar bis Mai gestiegen waren und im Juni die notwendige Korrektur erfolgte, blieben sie im dritten Quartal zunächst stabil, waren im September jedoch rückläufig. Insgesamt lagen die Durchschnittpreise in den ersten neun Monaten 2011 aber über dem Niveau des Vorjahresvergleichszeitraums. Die Mengen sanken im Vergleich zu 2010 aufgrund des Verkaufs der französischen Aktivitäten.

Die vermarktete Tonnage an Kunststoffen stieg gegenüber den ersten drei Quartalen 2010. Lagen die Durchschnittpreise für Folien zum Halbjahr noch unter dem Niveau der ersten sechs Monate 2010, sorgten Preissteigerungen im dritten Quartal für insgesamt vergleichbare Durchschnittwerte. Die Preise für PET sanken in den Monaten Juli bis September, lagen aber im neun-Monats-Vergleich immer noch über dem Durchschnitt des Vorjahres.

Die Entwicklung des ersten Halbjahres im Bereich Altholz setzte sich erwartungsgemäß im dritten Quartal fort. Die Nachfrage nach stofflichen Qualitäten verringerte sich aufgrund niedrigerer Kapazitäten der Spanplattenindustrie. Gefüllte Lager und Revisionen der thermischen Verwerter sorgten für eine geringere Abnahme von Hölzern zur thermischen Verwertung.


Ausblick


Der Vorstand rechnet im vierten Quartal aufgrund der optimierten Vertragsstrukturen innerhalb der Business Unit Duales System Interseroh mit Ergebnissteigerungen im Segment Dienstleistung. Der Umsatz wird aufgrund der Trennung von Kunden in diesem Geschäftsbereich sowie der Veräußerung des Segmentes Rohstoffhandel an die Holding ALBA Group plc & Co. KG sinken.

Im Handel mit Stahlschrott erwartet der Vorstand ein abgeschwächtes, anspruchsvolles viertes Quartal 2011. „Traditionell halten sich die Kunden beim Stahleinkauf zum Endes des Jahres zurück. Die aktuellen Konjunkturprognosen kommen als Unsicherheitsfaktor hinzu“, erklärte Dr. Schweitzer.

Nach drei positiv verlaufenen Quartalen 2011 bewegt sich bei den aktuell unterdurchschnittlichen Kursen die Verkaufsbereitschaft von Nichteisen-Schrott auf niedrigem Niveau. Dies erschwert die Materialbeschaffung. Auf der anderen Seite ist die Nachfrage derzeit sowohl in Europa als auch in Asien verhalten. Die staatliche Regulierung der Banken im asiatischen Raum limitiert mögliche Finanzierungen. Der Vorstand erwartet für das vierte Quartal 2011 keine Erholung der Nachfrage.

Dem Trend des dritten Quartals folgend rechnet Interseroh bis Jahresende mit einer leicht reduzierten Mengen- und Ergebnisentwicklung im Vergleich zum ersten Halbjahr 2011.