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Faktencheck Recycling

Die 9 größten Irrtümer über Sammeln und Verwerten

Von Sinn und Unsinn bei der Abfalltrennung bis hin zu umweltgerechten Verpackungen — über Recycling und Kreislaufwirtschaft kursieren in der Bevölkerung viele Mythen, Gerüchte und Fehlinformationen.

Diese Zusammenstellung räumt mit den gängigsten Irrtümern auf und gibt spannende Fakten rund um die Kreislaufwirtschaft an die Hand.

1. Irrtum: „Es wird eh alles wieder zusammengeworfen.“


Richtig ist: Der getrennte Abfall bleibt getrennt! Zu Hause vorsortieren ist wichtig, denn sonst funktioniert der automatische Sortierprozess im Anschluss nicht. Fehlwürfe, also Abfälle, der nicht im dafür vorgesehenen Sammelbehälter landen, erhöhen die Kosten für Sammlung und Aufbereitung und vermindern die Qualität der recyclingfähigen Materialen. Besonders gefährlich sind Lithium-Ionen-Batterien und -Akkus, bei deren unsachgemäßer Entsorgung enorme Brandgefahr besteht. Ausgediente Lithium-Ionen-Batterien und -Akkus dürfen deshalb unter gar keinen Umständen im Hausmüll oder in der Gelben Tonne / im Gelben Sack entsorgt werden, sondern müssen an Sammelstellen im Handel oder im Wertstoffhof abgeben werden. Mehr Informationen dazu unter:  www.brennpunkt-batterie.de

Gut zu wissen: Abfalltrennung ist gut für die Umwelt und das Klima, denn sie spart CO2-Emissionen und wertvolle Ressourcen. Allein durch die Recyclingaktivitäten der ALBA Group konnten im Jahr 2019 4,2 Millionen Tonnen Treibhausgase und 32,3 Millionen Tonnen Ressourcen im Vergleich zur Neuproduktion eingespart werden.

2. Irrtum: „Es wird eh alles ins Ausland verschifft oder verbrannt.“

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Export von Leichtverpackungen aus Deutschland (2017), © ALBA Group

 

Richtig ist: Laut dem deutschen Verpackungsgesetz (VerpackG) müssen 58,5 Prozent der Kunststoffverpackungen, 80 Prozent der Glas-, Eisen- und Aluminiumverpackungen sowie 85 Prozent der PPK (Papier/Pappe/Karton)-Verpackungen stofflich verwertet werden. Der überwiegende Teil wird in Deutschland und Europa verarbeitet. Weniger als ein Prozent der durch die Dualen Systeme erfassten Kunststoffabfälle wurde in den Jahren 2017 und 2018 nach Asien exportiert. (Quellen: VerpackG § 16; Deutscher Bundestag, Stenografischer Bericht, 97. Sitzung, 8. Mai 2019, S. 11692)

Gut zu wissen: Die deutsche Kreislaufwirtschaft leistet einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz. Die Treibhausgasemissionen der Abfallwirtschaft sind seit 1990 um 75,8 Prozent gesunken – das ist der größte Rückgang aller im Klimaschutzgesetz aufgeführten Sektoren (Energiewirtschaft, Verkehr, Industrie, Land- und Forstwirtschaft, Gebäudebereich). (Quelle: Umweltbundesamt, Nationale Trendtabellen für die deutsche Berichterstattung atmosphärischer Emissionen 1990 – 2018)

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3. Irrtum: „Alle Kunststoffprodukte gehören in die Gelbe Tonne / den Gelben Sack.“


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Gelbe Tonnen, © ALBA Group

Richtig ist: In einigen Städten wie Berlin, Leipzig oder Braunschweig ist das erlaubt, weil es dort die Wertstofftonne gibt (in die man alle Gegenstände geben darf, die aus demselben Material wie Verpackungen sind). Die Wertstofftonne gibt es jedoch nur in etwa einem Fünftel des Bundesgebiets. Für die meisten Gegenden gilt also: In die Gelbe Tonne/ den Gelben Sack gehören ausschließlich Verkaufsverpackungen aus Kunststoff, Metall oder Verbundstoffen (Verpackungen, die aus verschiedenen, miteinander verbundenen Materialien bestehen wie beispielsweise Getränkekartons).

Gut zu wissen: Beim Trennen ist es wichtig darauf zu achten, dass einzelne Materialarten voneinander getrennt werden. Beim Verwertungsprozess können so möglichst sortenreine Recyclingrohstoffe hergestellt werden. Konkret heißt das: Beim Joghurtbecher zum Beispiel ist es wichtig, den Deckel abzutrennen, bei Fleisch, Käse oder Aufschnitt die Folie vom Trägertablett abzureißen. Außerdem sollte der Abfall lose und nicht ineinander gestapelt entsorgt werden. Mehr Informationen zum Recycling und zur Abfalltrennung unter: www.muelltrennung-wirkt.de

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4. Irrtum: „Das Trennen nach Farben beim Altglas ist komplett irrelevant.“


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LKW für das Glas-Recycling, © ALBA Group

Richtig ist: Der Entsorgungs-LKW für das Altglas hat drei Kammern, die man allerdings nur von oben sehen kann. Beim Entleeren der Glascontainer kommt als jede Glasfraktion in ihre eigene Kammer und wird nicht mit den anderen zusammengeschüttet. Für das weitere Recycling ist die Trennung nach Farben wichtig: Durch die Sortenreinheit kann eine hohe Qualität der Scherben gesichert werden. Dabei ist zu beachten: Blaues oder rotes Glas gehört immer in den Grünglas-Container, denn Grünglas ist in der Verwertung weniger empfindlich für Unreinheiten.

Gut zu wissen: Glas ist sehr gut recyelbar, denn es kann immer wieder neu eingeschmolzen und zu neuem Glas verarbeitet werden. Bei Verpackungsglas liegt die Verwertungsquote deswegen bei rund 85 Prozent. (Quelle: Umweltbundesamt, 2019)

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5. Irrtum: „In die Gelbe Tonne / den Gelben Sack gehören nur Verpackungen mit Grünem Punkt.“


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Gelbe Säcke, © ALBA Group

Richtig ist: In die Gelbe Tonne/den Gelben Sack gehören alle Verkaufsverpackungen aus Kunststoff, Metall oder Verbundstoff, egal ob mit oder ohne Grünem Punkt. Denn der Grüne Punkt ist nur noch ein Markenzeichen eines der in Deutschland aktiven dualen Systems. Aktuell sind acht duale Systeme bundesweit, ein neuntes in einigen Bundesländern zugelassen. Bis 2009 bestätigte der Grüne Punkt die Beteiligung des Herstellers an dem zugehörigen dualen System, jede Verkaufsverpackung, die unter die Verpackungsverordnung fiel, musste den Grünen Punkt tragen, sonst drohten dem Hersteller hohe Bußgelder. Seit 2009 besteht diese Kennzeichnungspflicht jedoch nicht mehr.

Gut zu wissen: Auch Verkaufsverpackungen aus Glas oder Papier sind im Rahmen des Dualen Systems in das Recycling zu geben. Dies erfolgt aber nicht über die Gelbe Tonne/den Gelben Sack, sondern nach Materialart getrennt über die entsprechenden Papiercontainer/-tonnen bzw. Glascontainer/-tonnen.

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6. Irrtum: „Papiertüten sind besser als Plastiktüten.“

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Verbrauch von Plastiktüten, Deutschland 2018, © ALBA Group

 

Richtig ist: Die Ökobilanz von Papiertüten ist schlechter als die von Plastiktüten. Papiertüten sind nicht so stabil und können deshalb schlechter wiederverwendet werden. Auch durch die Herstellung der Papiertüten wird die Umwelt stark belastet. Deshalb gilt hier: Tüten und Beutel mehrfach nutzen! (Quelle: NABU, Plastiktüten-Verbot greift zu kurz)

Gut zu wissen: Im Jahr 2018 verbrauchten die Deutschen pro Kopf 24 Plastiktüten. Im Jahr 2000 waren es noch 85 Tüten pro Kopf. (Quelle: GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung mbH, 2019)

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7. Irrtum: „Lebensmittelverpackungen müssen vor dem Entsorgen ausgespült werden.“


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Wertstoffballen, © ALBA Group

Richtig ist: Das stimmt nicht! Es genügt, wenn die Verpackungen „löffelrein“ sind. Beim Recyclingprozess werden die Wertstoffe ohnehin maschinell gereinigt. Das Abwaschen zuhause verschwendet daher nur Wasser. Lediglich grobe Verschmutzungen (also auch nicht entleerte Verpackungen) behindern die automatisierte Trennung in der Sortieranlage, weil die Aggregate in der Sortieranlage die einzelnen Stoffe nicht mehr so leicht erkennen können. Dadurch wird die Recyclingfähigkeit verschlechtert.

Gut zu wissen: Verschmutzte Pizzakartons hingegen gehören nicht in die PPK (Papier / Pappe / Karton) -Tonne. Nur sauberes Material darf im Altpapier entsorgt werden. Auch wichtig: Alte CDs oder Videokassetten gehören nicht in den Gelben Sack, die Gelbe oder die Wertstofftonne. Über spezielle Rücknahmesysteme, zum Beispiel im Einzelhandel, können CDs gut dem Recycling zugeführt werden.

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8. Irrtum: „Kommunale Entsorger sind besser als privatwirtschaftliche.“

 

Richtig ist: Viele wichtige Investitionen in neue Technik tragen privatwirtschaftliche Unternehmen. 85 bis 90 Prozent der Sortier-, Schredder- und Aufbereitungsanlagen sind beispielsweise privaten Entsorgungsunternehmen zuzuordnen. Innovative Recyclingtechnik verbessert so stets die Genauigkeit bei der Sortierung und trägt durch immer bessere Systeme zum Umwelt- und Ressourcenschutz bei.

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Anzahl an Deponien, Deutschland 2015, © ALBA Group

 

 

Gut zu wissen: In Deutschland gibt es 15.791 Abfallbehandlungsanlagen. Die Zahl der Deponien ist seit dem Jahr 1970 dagegen um mehr als 98 Prozent zurückgegangen. (Quelle: BDE/BDSV/bvse/ITAD/PlasticsEurope Deutschland/VDM/VDMA/VHI/VKU, Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft 2018, 2018)

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9. Irrtum: „So genanntes ‚Bio-Plastik‘ ist gut für die Umwelt, weil es schnell abgebaut wird.“


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Plastik im Kompost, © ALBA Group / Amin Akhtar

Richtig ist: Die Ökobilanz von biobasierten Verpackungen ist im Vergleich zu Verpackungen, die vollständig aus fossilen Rohstoffen bestehen, kaum besser. Das hat zwei Gründe: Zwar wird „Bio-Plastik“ schneller abgebaut als Kunststoff aus Rohöl-Plastik, jedoch dauert dieser Prozess mit rund einem Jahr viel zu lange für den Durchlauf in Vergärungsanlagen. "Bio-Plastik" wird damit zum Störstoff, der die Vergärung und Gewinnung von Biogas behindert. Außerdem sind die Sortieranlagen wegen der bisher geringen Mengen an "Bio-Plastik" nicht für das Aussortieren dieses Materials ausgelegt.

Gut zu wissen: Kunststoffe, vor allem Plastiktüten, sind häufig Störstoffe bei der Kompostierung von Bioabfällen. Um eine möglichst reibungslose Verwertung in den Vergärungsanlagen sicherzustellen, ist ein plastikfreier Bioabfall unerlässlich.

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